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Harry Pepl * 1945  † 2005

Pressearchiv

Was über Harry Pepl geschrieben und gesendet wurde: Kritiken, Porträts, Interviews und Nachrufe, mit Zusammenfassung und Quelle. Die Originale sind urheberrechtlich geschützt und liegen im Archiv; für Forschung und Presse stellen wir sie auf Anfrage bereit.

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Reihenfolge: Neueste zuerst · Älteste zuerst

  1. Dezember 1998 · Bericht

    Das Waldviertel, Jahrgang 47, Heft 4 (Seite 408): Kulturpreise des Landes Niederösterreich 1998 (nach NÖ Landeskorrespondenz, 22.10.1998)

    Liste der Preisträger der Kulturpreise des Landes Niederösterreich 1998 (Auszeichnung des Landes Niederösterreich für Kunst und Kultur) nach einer Aussendung der NÖ Landeskorrespondenz vom 22. Oktober 1998. In der Sparte Musik erhält Harry Pepl den Würdigungspreis, Friedrich Keil und Elisabeth Schimana erhalten Anerkennungspreise.

    Musik: Harry Pepl (Würdigungspreis), Friedrich Keil und Elisabeth Schimana (Anerkennungspreise)

  2. April 1998 · Interview

    Concerto (Musikmagazin), Ausgabe 2/1998: „Man könnte Klavierspielen müssen“

    Martin Schuster

    Interview im Wiener Café Museum, geführt im Zusammenhang mit der Solo-Piano-CD „Flow“. Pepl spricht über seine Anfänge, das Jazzzwio, das kurze Engagement bei Benny Goodman, Real-Time-Composing und MIDI-Technik und kündigt Neuauflagen von „Gegenwind“ und „Montreux 81“ an.

    Ich wollte, daß man auf der CD auch den Raum hört.

    Harry Pepl

    Mein Hauptproblem ist der hohe Blutdruck. Wieder ein Gegensatz: nach außen erscheine ich vielleicht ruhig, aber innen rennt es in mir herum wie wahnsinnig.

    1998 im Gespräch mit Martin Schuster für die österreichische Musikzeitschrift Concerto, im Wiener Café Museum, zur Zeit des Klavieralbums „Flow“. Pepl spricht offen und mit Selbstironie über den Blutdruck, der ihn ab 1994/95 von der Bühne fernhielt, und über den Gegensatz zwischen äußerer Ruhe und innerer Hochspannung

    Harry Pepl

    Ich bin ein Mensch der Gegensätze – oft sehr lustig oder ironisch und dann wieder sehr traurig. Wahrscheinlich hört man das auch in meinem Spiel

    1998 im Gespräch mit Martin Schuster (Concerto) im Wiener Café Museum; der Interviewer beschreibt, wie Pepl mit tiefer, sanfter Stimme spricht, über ein Bonmot kichert und im nächsten Moment wieder ernst wird

    Harry Pepl

    Musik bedeutet für mich Emotionen und Erinnerungen. Und sogar wenn ich etwas spiele, das mir nicht so gefällt, geht der Blutdruck rauf, weil es mir dann auf den Wecker geht.

    1998 in Concerto über die Gitarre, die er nach 1994 lange nicht mehr anrührte, weil er die Aufregung fürchtete; „auf den Wecker gehen“ ist umgangssprachlich für „nerven“, der Satz ist selbstironisch gemeint. Am Klavier fand er danach eine neue Freiheit

    Harry Pepl

  3. 1998 · Lexikon

    Kulturpreis Niederösterreich (Preisträgerdatenbank des Landes): „Bewusster Grenzgänger“ (Harry Pepl, Würdigungspreis 1998 Musik)

    Würdigungstext zum Würdigungspreis 1998 für Musik. Er zeichnet Pepl als Grenzgänger zwischen Jazz und Neuer Musik nach, von den Austrian Evergreens über Fledermaus-Bar, ORF Big Band (ORF: österreichischer öffentlich-rechtlicher Rundfunk) und die Professur in Graz bis zum Komponieren in Echtzeit.

    Grenzen auszuloten war offensichtlich immer schon sein Bestreben.

  4. 1996 · Sonstiges

    PAO Records (CD-Booklet, CD 10140-2): Booklettext zu „Flow“

    Georg Pepl

    Booklettext von Georg Pepl, Musikwissenschafter und älterer Sohn Harry Pepls, zum Solo-Klavieralbum „Flow“ (aufgenommen am Sonntag, 10. März 1996, im Brahmssaal des Wiener Musikvereins), im Booklet auch in der englischen Übersetzung von Stephen Ferguson. Der Text stellt den Improvisator am Klavier als Sinnbild der Vereinzelung und der Freiheit dar und zieht die Linie von den „Freien Phantasien“ Carl Philipp Emanuel Bachs über Mozart und Beethoven zum Jazz, der der „improvisatorischen Flut“ Dämme baue. Das Fließen, das dem Album den Namen gibt, deutet er mit Rousseaus „Träumereien eines einsamen Spaziergängers“, Goethes „Werther“, Freuds „ozeanischem Gefühl“ und Herbert Marcuse. Pepl genieße beim Klavierspiel das Aufgehen im Augenblick, die Töne strömten „ganz von alleine, als Silent Water oder als Flow“; in „Grace & Gary“ und „2 Klavierpianos“ improvisierte er zur ersten Klavierspur eine zweite hinzu. Zu den Titeln: „Man könnte Klavierspielen müssen“ als Reminiszenz an Glenn Gould, „Improv 2“ an Schuberts Impromptus, „Grace & Gary“ an den Film „Zwölf Uhr Mittags“; zu „3 Mo“ zitiert er Pepl selbst („mottig, mollig, momentig“). Der deutsche Text ist als Text-PDF frei zugänglich, die englische Fassung von Stephen Ferguson für angemeldete Zugänge.

    Harry Pepl genießt beim Klavierspiel das Aufgehenkönnen in der Stimmung des Augenblicks, das Eintauchen in einen anderen Zustand. Die Töne machen sich selbständig, strömen ganz von alleine, als Silent Water oder als Flow.

    In seiner Titelgebung zeigt sich Pepl als zutiefst musikalischer und romantischer Künstler: Musikalisch ist sein Spielen mit der Sprache, das Lauschen auf ihren Rhythmus, ihre Doppeldeutigkeiten.

    Der Improvisator löst sich auf in der Welt der Töne, der Klavierspieler verschmilzt mit dem Klavier, hört auf, Subjekt zu sein.

    3 Mo steht für mottig, mollig, momentig. Mottig, weil die Musik so klingt, als würden die Motten auf der Lauer liegen.

    Wortspiel über sein Klavierstück „3 Mo“ auf dem Album „Flow“ (1996), mit Anklängen an Motten, Moll und Moment

    Harry Pepl

  5. 1996 · Pressetext

    Infoblatt (Pressematerial, 5 Seiten): Infos Harry PEPL

    Undatiertes Biografie-Infoblatt, frühestens 1996 entstanden. Es enthält Kurzbiografie, Zusammenarbeiten, Festivals und eine Diskografie, die Methode des Real-Time-Composing und eine Werkliste mit Uraufführungen für Ensemble Wien, Ensemble Kontrapunkte, Kronos Quartet, STUDIO PERCUSSION und Artis-Quartett.

    tritt seit 1984 als Komponist europäischer zeitgenössischer Kunstmusik hervor

  6. 27. Mai 1994 · Kritik

    Der Standard: „Der Groove-Professor gibt sich recht unberechenbar“

    Ljubiša Tošić

    Plattenkritik zu „N.Y.C. Impressure“: Die funkige Rhythmusgruppe gibt Vollgas, Pepls Gitarre ist nach Jahren, in denen das Klangspiel dominierte, wieder als Gitarrenklang zu erkennen, die MIDI-Gitarre dient nur als atmosphärischer Zusatz. Tošić hört eine groovige Sache mit rockig verzerrtem Klang und höchst individueller Phrasierung; Klang sehr gut.

    Auf N.Y.C. Impressure ist sein Gitarrenklang wieder als ein solcher zu erkennen.

    Natürlich ist seine Phrasierung wiederum höchst individuell, was so viel heißt wie: reizvoll und angenehm unberechenbar.

    Und da kann es schon passieren, daß der Gitarren-Professor mit rockig-verzerrtem Klang brilliert.

  7. 7. Mai 1994 · Kritik

    Salzburger Nachrichten: „Verständigungen über den Gartenzaun“ (Jazz-Gitarristen: Harry Pepls Comeback, Ray Cooder, Doctor Blocher, Bill Frisell)

    Wolfgang Gratzer

    Kurze Besprechung des neuen Albums: Pepl, einer der eigenständigsten Gitarristen des Kontinents, trete mit seinem in New York aufgenommenen Quartett (Claus Stöttner, Paul Nowinski, Jojo Mayer) aus seiner Zurückgezogenheit. Der Autor zählt die Platte dank raffiniert vorgedachter Titel und eindringlicher Soli zum Aufregendsten, was in Österreich in den letzten Jahren produziert wurde.

    Der zu den eigenständigsten Gitarristen auf dem Kontinent zählende Wiener Harry Pepl

    ein Album eingespielt, das dank seiner so raffiniert vorgedachten, mit eindringlichen Soli durchpflügten Titeln zum Aufregendsten zählt, das in den letzten Jahren hierzulande produziert worden ist.

  8. 20. April 1994 · Sonstiges

    Österreichische Mediathek, Katalog (online): „Harry Pepl Quartet 20.04.1994 (1)“ (unveröffentlichte Aufnahme)

    Die Österreichische Mediathek, das österreichische Archiv für Ton- und Videoaufnahmen beim Technischen Museum Wien, verzeichnet eine unveröffentlichte Aufnahme des Harry Pepl Quartet vom Mittwoch, 20. April 1994, Aufnahmeort Graz, Orpheum, also vom Konzert beim Graz Meeting „Strings“. Sie liegt auf Kompaktkassette (Signatur 6-69528) und ist nur vor Ort im Publikumsbetrieb der Mediathek in Wien hörbar. Der Katalog nennt nur Harry Pepl (Gitarre); laut APA spielte das Quartett mit Wolfgang Puschnig.

  9. 1994 · Radio

    Ö1, „Aus dem Konzertsaal“ (Mitschnitt in der Österreichischen Mediathek): „Aus dem Konzertsaal: Graz Meeting 1994 (2)“

    Jörg-Martin Willnauer (Moderation)

    Jazz-Sendung des ORF-Kulturradios Ö1 vom Graz Meeting 1994, laut Katalog der Österreichischen Mediathek „u. a. mit dem Harry Pepl Quartett“, moderiert von Jörg-Martin Willnauer. Der Mitschnitt liegt auf Kompaktkassette (Signatur 6-69955) und ist nur vor Ort im Publikumsbetrieb der Mediathek in Wien hörbar; den Sendetag nennt der Katalog nicht. Das Quartett spielte beim Graz Meeting am Mittwoch, 20. April 1994, im Orpheum.

  10. 1994 · Kritik

    Zeitschrift (Titel nicht erhalten), Plattenkritik: Harry Pepl Quartet: „N.Y.C. Impressure“

    Plattenkritik zu „N.Y.C. Impressure“ (Extraplatte (Wiener Independent-Label) EX 203-2, aufgenommen 6/92 im Active Recording Studio, New York): Der Niederösterreicher Pepl experimentiere seit Jahren mit der MIDI-Gitarre, sein neues Steckenpferd sei das real-time-composing. Das Album spiegle Stimmung, Farben und rhythmische Dichte New Yorks, umgesetzt mit Claus Stötter, Paul Nowinski und Jojo Mayer. Wertung (8).

    Der Niederösterreicher Harry Pepl liebt den Kampf mit 'Bits and Bytes'.

    Sein neuestes Steckenpferd nennt sich „real-time-composing“.

  11. 6. Mai 1993 · Programmheft

    Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Programmheft Brahms-Saal (Wiener Frühlingsfestival 1993, Artis-Quartett, 3. Konzert): Artis-Quartett mit Stefan Vladar, Donnerstag, 6. Mai 1993, 19.30 Uhr

    Redaktion: Joachim Reiber

    Programmheft des Abends mit Beethoven (op. 18/4), der Uraufführung von Pepls Streichquartett „Über kurz oder lang, von der Weite und der Enge“ und Brahms' Klavierquintett. Die Werkbesprechung listet Aufträge, Festivals und Preise und beschreibt das im Februar 1993 entstandene Quartett in drei Teilen. Der ORF (österreichischer öffentlich-rechtlicher Rundfunk) sendete das Konzert am 12. Mai auf Ö1 (Kulturradio des ORF).

    darf man von Pepl nur das Unerwartete erwarten

  12. Dezember 1992 · Bericht

    Jazzlive (10. Jahrgang, Nr. 99/1992): Titelbild Harry Pepl; „Soundknitting. Die farbenfrohen Klangmuster der New Yorker Knitting Factory“

    Hannes Schweiger (Artikel); Rainer Rygalyk (Titelfoto)

    Die Wiener Jazzzeitschrift zeigt Harry Pepl auf dem Titelbild, fotografiert von Herausgeber Rainer Rygalyk. Im Heft beschreibt Hannes Schweiger Geschichte und Programm des New Yorker Clubs Knitting Factory (New Yorker Musikclub für Jazz und Avantgarde) und berichtet, dass Pepl im Sommer 1992 mit seinem Quartett (Klaus Stötter, Paul Nowinski, JoJo Mayer) einen Abend lang dort spielte. Pepl schildert, wie ihn das Tempo New Yorks beim Spielen verändert hat.

    Mir fiel selber an mir auf, daß ich dort völlig anders spiele als daheim.

    Über seinen Auftritt in der Knitting Factory, dem New Yorker Club der Avantgarde, im Sommer 1992

    Harry Pepl

    Das Ambiente des Clubs ist eher schlicht. Dort zu spielen war wirklich ein Erlebnis.

    Über die Knitting Factory, den New Yorker Club der Avantgarde, wo er im Sommer 1992 spielte

    Harry Pepl

  13. 1991 · Porträt

    Kulturpreis des Landes Niederösterreich (Broschüre 1991, Preisträgerdatenbank): „Spontane Klangerlebnisse“ (Anerkennungspreis 1991, Sparte Musik)

    Würdigungstext aus der Kulturpreis-Broschüre 1991 zum Anerkennungspreis des Landes Niederösterreich in der Sparte Musik, heute online in der Preisträgerdatenbank. Er stellt Pepl als Professor in Graz und gefragten Komponisten vor: Ein Stück für das international renommierte Kronos Quartet steht vor der Uraufführung im Herbst 1991 in Graz, ein weiteres für das Artis-Quartett ist geplant. Seit zwei Jahren komponiert er mit seinem „Instant-“ oder „Realtime-Composing“. Pepl schätzt Mozart, die Klavierwerke Schönbergs und Giacinto Scelsi und hat Glenn Goulds rhythmische Präzision an einer Bach-Einspielung am Computer analysiert. Genannt werden außerdem die zwei Jahre in Gerhard Bronners „Fledermaus“-Bar, die ORF-Big-Band (ORF: österreichischer öffentlich-rechtlicher Rundfunk), mehrfache Siege im Readers Poll von „Jazz Live“ und das Wort von Le Monde vom „Giganten der Improvisation“.

    Harry Pepl irgendwo musikalisch einzuordnen, fällt schwer und ist genau genommen auch nicht notwendig.

    Pepl, und darüber lässt er auch in diesem Gespräch keinen Zweifel, ist ein Musiker des Augenblicks.

    ihn hat die führende französische Zeitung „Le Monde“ taxfrei zum „Giganten der Improvisation“ gekürt

  14. 27. Februar 1990 · Programmheft

    Gesellschaft der Musikfreunde in Wien, Programmheft Brahms-Saal (Außerordentliches Gesellschaftskonzert): Komponistenportrait Harry Pepl, Dienstag, 27. Februar 1990, 19.30 Uhr

    Redaktion: Teresa Hrdlicka

    Programmheft zum Komponistenporträt mit dem Ensemble Kontrapunkte unter Peter Keuschnig, mit Christine Whittlesey, Pepl an Gitarre und Guitar-to-MIDI-System, Josef Pitzek und Rainer Keuschnig; der Klavierklang kommt vom Bösendorfer (Wiener Klavierbauer)-Computerflügel. Gespielt wurden 15 Stücke. Die Werknotiz erklärt „Instant composing“ und nennt „Grogos“ als Auftrag der Gesellschaft der Musikfreunde.

    freier Kompositionsvorgang, wobei das Werk in dem Augenblick, in welchem es erfunden wurde, auch schon schriftlich fixiert ist

  15. Februar 1990 · Bericht

    Tschin Bumm (Musikmagazin, Rubrik Technik, S. 52): „Harry Pepl im Studio: Das Bösendorfer-Projekt“

    Studiobericht über die Aufnahmen zu „Schönberg Improvations“ (PolyGram) im Wiener SingSang-Studio: sechs Studiotage, Stücke von durchschnittlich 15 Minuten mit Anleihen bei Arnold Schönberg, ganz ohne Gitarrenton auf dem Bösendorfer (Wiener Klavierbauer)-Computerflügel, mit David Liebman, Mino Cinelu und Wolfgang Reisinger. Pepl hatte die Stimmen zu Hause über die Roland-MIDI-Gitarre eingespielt; Studiochef Richie Österreicher jr. erklärt die Technik. Erhalten ist nur Seite 52, die Fortsetzung fehlt im Scan.

    Harry Pepl ist ein Mann wie Albert Einstein — ein Genie, dem wohl nur mehr eine Handvoll Menschen bei seiner Arbeit folgen kann.

    Richie Österreicher jr.

    Die neueste LP des weltweit anerkannten Gitarristen ist — eine Klavierplatte.