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Harry Pepl * 1945  † 2005
Cover: Flow

Cover: Gemälde von Harry Pepl, Gestaltung Andreas Ortag (PAO Records)

Aufnahmen zu Lebzeiten · 1996

Flow

Harry Pepl

Solo-Klavieralbum mit zwölf Echtzeitkompositionen, Pepl widmete es der Kunstuniversität Graz; letztes zu Lebzeiten betreutes Album.

Jahr
1996
Label
PAO Records
Katalognummer
CD 10140-2
EAN/UPC
9006834101402
Formate
CD
Harry Pepl
Leader
Projekt
Harry Pepl solo
Aufnahme
Sonntag, 10.03.1996, digital in einem Take, Brahmssaal des Wiener Musikvereins (Steinway); Aufnahme und Mix Reinhard Buchta
Wiederveröffentlicht
21.07.2023: Digital-Neuausgabe „Harry Pepl Piano“ (PAO Records)
Archiv-ID
HP-T-0056

Discogs

Titelliste

  1. 1 Beauty Hop
  2. 2 Silent Water
  3. 3 3 Mo
  4. 4 Flow
  5. 5 Improv 2
  6. 6 Man könnte Klavierspielen müssen
  7. 7 Fast Mail
  8. 8 Glusta
  9. 9 Grace and Gary
  10. 10 Draufer und drüber
  11. 11 2 Klavierpianos
  12. 12 One Note Basic

„Ich wollte, daß man auf der CD auch den Raum hört.“

So Harry Pepl zu „Flow“ im Interview mit Martin Schuster, das den Titel des sechsten Stücks trägt: „Man könnte Klavierspielen müssen“ (Concerto 2/1998).

Aufgenommen wurde am Sonntag, 10. März 1996, digital und in einem Take im Brahmssaal des Wiener Musikvereins, am Steinway des Hauses; Aufnahme und Mix besorgte Reinhard Buchta, den Schnitt Daniel Pepl und Stephen Ferguson, produziert hat Paul Zauner.1 Illustration und Kalligrafie, darunter der handgeschriebene Schriftzug „flow“, stammen von Pepl selbst, Inlay-Foto, Artwork und Cover-Design von Andreas Ortag, die Fotos im Inneren von Daniel Pepl, das Foto der Booklet-Rückseite von Peter Schramek. Gewidmet ist das Album der „Musikhochschule Graz“, der heutigen Kunstuniversität Graz.1 Pepl erklärte, er habe die Musik nicht im Kopf, es sei ein Fluss, in dem nichts dazwischen ist. „Flow“ ist zugleich ein Begriff der Psychologie, den der ungarisch-amerikanische Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi für das völlige Aufgehen in einer Tätigkeit prägte; Der Titel des Klavieralbums ist kein Zufall: Harry Pepl interessierte sich sehr für diese Flow-Forschung, las viel darüber und legte sich, ernsthaft und archivarisch wie bei seinen eigenen Aufnahmen, Zeitungsartikel über Csikszentmihalyi und den Flow ab.2 Auf „Flow“ war er sehr stolz: Noch kurz vor seinem Tod nannte er das Album „wirklich sehr leiwand“ (wienerisch für großartig).2 Stefan Heckel, der 2024 an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien über Pepls Spätwerk promovierte, beschreibt Pepls Echtzeitkompositionen ebenfalls mit diesem Begriff.3

Die Booklettexte

Das Booklet enthält zwei Texte. Der Pianist und Komponist Stephen Ferguson, damals Assistent von György Ligeti, schreibt auf Englisch:

Harry Pepl is a musician who hears. He has that seldom gift–to immediately translate what he hears into music coming from his own fingers, into music coming from his own voice.

Stephen Ferguson, Booklet „Flow“, 19961

An der Gitarre sei Pepl „one of Europe’s undisputed jazz masters“, am Klavier beinahe ein Fremder, und gerade das gebe der Musik etwas Magisches: „a dream played awake, full of snatches of music, gestures, spaces“, eine Antwort auf den „big black Steinway, the great polyphonic beast, singing proud in the acoustics of the Musikverein“.1 Ferguson schließt mit dem Meister der Saiten, der am Klavier zum „masterly novice full of music“ wird.1

Georg Pepl, Harrys älterer Sohn und Musikwissenschafter, stellt das Album in die Tradition der freien Klavierimprovisation, von den „Freien Phantasien“ Carl Philipp Emanuel Bachs bis zum Jazz, und deutet das Fließen, das dem Album den Namen gibt, mit Rousseau, Goethe, Freud und Herbert Marcuse.1

Harry Pepl genießt beim Klavierspiel das Aufgehenkönnen in der Stimmung des Augenblicks, das Eintauchen in einen anderen Zustand. Die Töne machen sich selbständig, strömen ganz von alleine, als Silent Water oder als Flow.

Georg Pepl, Booklet „Flow“, 19961

In „Grace & Gary“ und „2 Klavierpianos“ improvisierte Pepl zur ersten Klavierspur eine zweite hinzu, „die voll und ganz zur ersten paßt“. Klavier spiele er, so Georg Pepl, weil er das Fehlen von Routine schätze und „weil er es einfach muß“; darauf spiele „Man könnte Klavierspielen müssen“ an, eine Reminiszenz an Glenn Gould. „Improv 2“ erinnert an Schuberts Impromptus, die Pepl in jungen Jahren spielte, „Grace & Gary“ an den Film „Zwölf Uhr Mittags“. Über „3 Mo“ sagte Pepl selbst: „3 Mo steht für mottig, mollig, momentig.“1

Beide Texte gibt es zum Lesen als PDF im Pressearchiv: den Text von Georg Pepl frei, den Text von Stephen Ferguson und seine englische Fassung des Textes von Georg Pepl für angemeldete Zugänge.

Booklet und Barcode nennen die Katalognummer CD 10140-2, Heckel und Discogs CD 101040-2. 2023 erschien eine Digital-Neuausgabe als „Harry Pepl Piano“ (PAO Records, Label des Posaunisten und Initiators des INNtöne-Festivals Paul Zauner, gleicher Barcode).

Anmerkungen und Quellen (3)
  1. Booklet „Flow“, PAO Records CD 10140-2, 1996: Credits, Text von Stephen Ferguson (englisch) und Text von Georg Pepl (deutsch, englische Fassung von Stephen Ferguson). ↩
  2. Angabe der Familie (Daniel Pepl, Samstag, 17.10.2026); das Urteil „leiwand“ schon Auskunft Daniel Pepl, 10.09.2020. ↩
  3. Heckel 2024, S. 13, Fußnote 6, mit Verweis auf Mihaly Csikszentmihalyi, Flow: The Psychology of Optimal Experience (New York: Harper Perennial, 1990). ↩

Hören und sehen

Harry Pepl: Beauty Hop (Flow, 1996)

1996 · PAO Records, 1996

„Beauty Hop“ (Harry Pepl), Titel 1 des Solo-Klavieralbums „Flow“ (PAO Records, 1996), 6:50 Minuten, aufgenommen im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins. Laut Daniel Pepl nannte Harry Pepl gegen Ende im Krankenhaus gerade dies, allein im Brahms-Saal improvisierend gespielt zu haben und veröffentlicht zu sein, das „leiwandste“. 2020 für die Ö1-Sendung vorbereitet.

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